„Ich ernähre mich eh gesund und kenne mich aus mit Ernährung.“
2025 habe ich über 400 Beratungs- und Zielsetzungsgespräche geführt und es gibt einen Satz, der dabei immer wieder fällt, unabhängig davon, mit wem ich spreche oder welches Ziel diese Person verfolgt.
„Ich ernähre mich eh gesund und kenne mich mit Ernährung aus.“
Und oft zeigt sich schon wenige Minuten später ein ganz anderes Bild. Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, ein Gefühl von Stillstand oder diese Selbstzweifel, dass man eigentlich weiter sein müsste, wenn doch alles passt.
Und genau hier lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Denn wenn jemand sich gesund ernährt, weiß, was zu tun wäre und sich trotzdem nicht wohlfühlt, dann liegt das Problem in den meisten Fällen nicht an fehlender Disziplin, sondern an einem Denkfehler, der sich über Jahre eingeschlichen hat.
Was bedeutet eigentlich gesund?
Bevor wir über Lösungen sprechen, müssen wir uns eine Frage stellen, die einfacher klingt, als sie tatsächlich ist.
Was bedeutet eigentlich gesund und wer entscheidet das überhaupt?
Die Vorstellung davon ist extrem individuell. Für den einen heißt gesund, kein Fastfood zu essen. Für den nächsten bedeutet es, frisch zu kochen. Und jemand anderes ist überzeugt, dass eine vegane Ernährung der einzig richtige Weg ist.
All diese Ansätze können in bestimmten Situationen sinnvoll sein und in anderen wiederum nicht.
Ernährung ist komplex und genau deshalb ist es schwierig, sie in richtig oder falsch einzuteilen. Viel hilfreicher ist es, sich zu fragen, ob etwas in deiner aktuellen Situation eher besser oder eher schlechter ist.
Ist ein Apfel besser als der Schokoriegel?
Ist ein Salat mit Feta besser als eine Portion Spaghetti mit Tomatensoße?
Denn es kommt darauf an. Auf deinen Körper, dein Ziel, deinen Alltag, dein Stresslevel, deinen Schlaf, dein Training und dein Umfeld.
Natürlich ist klar, dass Gummibären keine gute Wahl sind. Aber jenseits solcher Extreme wird Ernährung schnell individuell.
Wenn wir trotzdem eine grobe Orientierung brauchen, dann diese:
Je unverarbeiteter ein Lebensmittel ist, desto besser ist es in den meisten Fällen.
Ein Apfel wächst am Baum. Saft ist verarbeitet. Erdbeeren wachsen am Feld. Marmelade entsteht durch Verarbeitung. Ein Steak kommt direkt vom Tier, eine Salami entsteht durch Verarbeitung.
Das ist ein guter Ausgangspunkt, aber eben nur ein Ausgangspunkt.
Warum gesunde Lebensmittel alleine nicht ausreichen
Viele Menschen glauben, dass sie alles richtig machen, sobald sie gute Lebensmittel auswählen. Und genau hier entsteht oft Frust, weil sich trotz bewusster Ernährung nichts verändert.
Denn gute Lebensmittel alleine formen keinen Körper.
Du kannst frisch kochen, auf Qualität achten und dich grundsätzlich ausgewogen ernähren und trotzdem nicht abnehmen, dich nicht besser fühlen oder keine sichtbaren Fortschritte machen.
Der Grund dafür ist, dass Ernährung immer im Gesamtkontext betrachtet werden muss. Es geht nicht nur darum, was du isst, sondern auch darum, wie du es isst, wie viel du isst, wie regelmäßig und in welchem Umfeld diese Ernährung stattfindet.
Stress, Schlaf, Bewegung und Erholung spielen dabei eine mindestens genauso große Rolle. Ernährung wirkt nie isoliert.
Wissen, Selbstwahrnehmung und Realität
Ein weiterer Punkt, der in Gesprächen immer wieder sichtbar wird, ist die große Lücke zwischen Wissen, Selbstwahrnehmung und tatsächlicher Umsetzung.
Viele Menschen haben sich ihr Ernährungswissen irgendwann angeeignet, aus Social Media, aus der Familie, aus Büchern oder aus Erfahrungen von der Kindheit. Dieses Wissen wird jedoch selten hinterfragt oder aktualisiert.
Unser Verständnis von Ernährung entwickelt sich laufend weiter. Was vor Jahrzehnten als richtig galt, ist heute oft nicht mehr zeitgemäß.
Dazu kommt, dass Social Media ein verzerrtes Bild zeichnet. Nicht, weil alles falsch ist, sondern weil nachhaltige Ernährung nicht aufregend ist. Sie ist einfach, wiederholbar und unspektakulär. Sie bringt keine Follower, Likes und Reichweite.
Wenn jemand sagt „Ich ernähre mich gut“, lohnt es sich genauer hinzusehen. Bedeutet das jeden Tag oder nur manchmal? Alle Mahlzeiten oder nur einzelne? Seit Wochen oder seit Jahren? Und vor allem… was hat sich dadurch wirklich verändert?
Wissen bedeutet nicht automatisch Umsetzung. Und eine gute Mahlzeit macht noch keine gute Ernährung.
Oft wird der Satz „Ich esse eh gesund“ zu einem Schutzschild. Er blockiert dich für neue Ansätze, für Offenheit zum Thema und führt dazu, dass du dich nicht weiterentwickelst.
Die vielen kleinen Ausnahmen
Ein Punkt, der fast immer unterschätzt wird, sind die vielen kleinen Ausnahmen im Alltag.
Ein bisschen Naschen zwischendurch, ein Glas Alkohol am Wochenende, ein ausgelassenes Training oder ein paar Tage, die nicht zählen.
Für sich genommen wirkt nichts davon dramatisch. In der Summe können diese kleinen Ausnahmen jedoch genau der Grund sein, warum trotz guter Basis keine Veränderung stattfindet.
Unsere Wahrnehmung täuscht uns hier oft. Vieles passiert unbewusst und genau deshalb ist es so schwer, alleine den Überblick zu behalten.
Warum Umsetzung der entscheidende Hebel ist
Heute ist Wissen überall verfügbar. Pläne, Apps, Rechner und Tools sind leicht zugänglich. Und trotzdem scheitern die meisten Menschen nicht daran, dass sie zu wenig wissen, sondern daran, dieses Wissen im Alltag dauerhaft umzusetzen.
Veränderung im echten Leben ist komplexer als in der Theorie.
Der Schlüssel liegt deshalb nicht im perfekten Plan oder im radikalen Neustart, sondern in kleinen, realistischen Schritten, die sich langfristig in den Alltag integrieren lassen.
Die täglichen Gewohnheiten bestimmen am Ende wirklich, was du erreichen wirst.
Der schnellste Weg führt nicht über jahrelanges Ausprobieren. Der beste Shortcut ist die richtige Betreuung.
Ein guter Coach kann dir hier genau zeigen, welche Schritte du setzten kannst und bringt dich so gezielt und ohne Umwege an dein Ziel.
Fazit
In der Ernährung geht es nicht darum perfekt zu essen.
Es geht darum, die Ernährung, die du aktuell lebst objektiv zu betrachten und zu beurteilen, ob sie dich an dein Ziel bringt.
Offen zu bleiben, alte Überzeugungen zu hinterfragen und anzuerkennen, dass es derzeit vielleicht doch nicht ganz so optimal ist wie gedacht.
Vielleicht ist genau dieser Gedanke der wichtigste aus diesem gesamten Text…
Es geht nicht darum, dass du etwas völlig Neues lernen musst. Es geht auch nicht darum, disziplinierter oder härter mit dir zu sein.
Es geht darum, ehrlich hinzuschauen, wie deine Ernährung im Alltag wirklich aussieht und nicht nur, wie sie sich in deinem Kopf anfühlt.
Wenn du dir auch einen professionellen Blick von aussen wünscht, dann buch dir ein Beratungsgespräch und wir können gemeinsam schauen, was dich derzeit noch zurückhält.







