Fett ist nicht nur eine Frage der Optik
Ich sitze im Zielsetzungsgespräch. Vor mir liegt das Ergebnis der InBody Messung.
Meistens läuft so ein Gespräch dann so ab, wie du es dir vorstellst. Wir reden über den Bauch. Über die Hose, die anders sitzt als vor drei Jahren.
Aber manchmal läuft es anders. Da sitzt jemand vor mir und sagt: „Ehrlich gesagt fühl ich mich wohl in meinem Körper. Ich will das eigentlich so beibehalten.“
Und weißt du was? Das ist völlig in Ordnung. Ich merke bei vielen Menschen, dass sie gar nicht so motiviert sind, Fett zu reduzieren. Zumindest nicht aus optischen Gründen.
Dann zeige ich auf eine bestimmte Zahl auf dem Blatt. Das viszerale Fett.
Und frage: „Weißt du, was das ist?“
Fast nie weiß es jemand.
Sie war happy. Zu Recht.
Vor Kurzem saß eine Athletin bei mir im Zielsetzungsgespräch. Sie ist 40 Jahre und trainiert seit über einem Jahr bei uns.
Angefangen hat sie mit einem klaren Ziel. Ein paar Kilo runter, das Fett am Bauch stört sie optisch. Sonst hat sie sich eigentlich immer wohl gefühlt in ihrem Körper. Sie will einfach ein bisschen etwas verändern.
Und es ist einiges weitergegangen. Sie hat abgenommen. Die Ernährung etwas angepasst und sie fühlt sich gut.
Beim Gespräch sagt sie mir… „eigentlich bin ich jetzt dort, wo ich hinwollte.“
Dann haben wir die InBody Messung gemacht. Die gibt es bei uns erst seit Januar 26.
Ihr viszerales Fettlevel: 11.
Alles ab 10 gilt als erhöht. Das ist ungefähr die Grenze, ab der in der Forschung von viszeraler Adipositas gesprochen wird.
Und in diesem Moment hat sich in ihr etwas verändert. Von „ich fühle mich wohl“ wurde „oh fuck, es geht ja gar nicht nur darum, wie ich mich fühle, sondern um meine Gesundheit“
Sie hat sich wohl gefühlt. Sie hat nach ihrem eigenen Maßstab gut ausgesehen. Und trotzdem stand da eine Zahl, die etwas ganz anderes erzählt hat.
Ihre Motivation hat sich geändert. Es geht nicht mehr nur um das Bild im Spiegel, sondern darum, gesund zu bleiben.
Genau das passiert bei diesem einen Wert immer wieder. Ich sehe förmlich, wie ein Schalter umgelegt wird.
Plötzlich will jemand gesund sein. Heute und auch noch in zehn Jahren.
Den wenigsten Menschen ist das bewusst. Genau deshalb schreibe ich heute darüber.
Optik ist Geschmackssache
Fast immer, wenn wir über Abnehmen reden, reden wir über das Aussehen. Das ist ein absolut legitimer Grund. Ich will das gar nicht kleinreden.
Nur ist Optik eben komplett subjektiv.
Die einen finden einen voluminöseren Körper schön. Die anderen wollen möglichst viele Muskeln. Wieder andere finden schmal und drahtig am besten. Das ändert sich mit der Zeit, mit der Kultur und mit dem Instagram Feed, den du gerade scrollst.
Und das darf auch so sein. Wie du dich in deinem Körper fühlst, entscheidest nur du. Da hat niemand reinzureden. Ich auch nicht.
Das Problem ist nur… wenn wir Körperfett ausschließlich als Geschmacksfrage behandeln, übersehen wir die zweite Ebene komplett.
Und die ist nicht subjektiv.
Fett ist ein Organ
Das ist der Punkt, den fast niemand am Schirm hat.
Nach heutigem Stand der Forschung ist Körperfett nicht einfach eine Polsterung, die halt irgendwo am Körper hängt. Es ist ein Organ.
Ein stoffwechselaktives Organ, das Hormone produziert, das Entzündungsstoffe produziert und das permanent mit deinem restlichen Körper kommuniziert. Leptin gehört dazu, Adiponektin, und auch klassische Entzündungsstoffe wie TNF-alpha und Interleukin-6.
Energie für schlechte Zeiten speichern tut es natürlich auch. Ein uralter Überlebensmechanismus, der bei den meisten von uns heute etwas aus der Zeit gefallen ist.
Was die eigentliche Frage ist… wie viel Fett am Körper ist gesund.
Wo liegt das Fett?
Darauf kommt es wirklich an.
Subkutanes Fett liegt unter der Haut. Das ist das Fett, das du siehst und anfassen kannst. Das, was dich beim Blick in den Spiegel stört.
Viszerales Fett liegt tief im Bauchraum, rund um deine Organe. Das siehst du nicht. Das kannst du nicht anfassen.
Und ausgerechnet das, was du nicht siehst, ist das gefährliche.
Das Fett, das du siehst
Subkutanes Fett ist gesundheitlich deutlich weniger problematisch. Fett an Hüfte und Oberschenkeln gilt in Studien sogar als eher schützend, weil es überschüssige Fettsäuren wegspeichert, statt sie im Körper herumschwimmen zu lassen.
Doch…
Zwanzig Kilo extra sind zwanzig Kilo, die du jeden einzelnen Tag mit dir herumträgst. Beim Treppen steigen. Beim Aufstehen vom Sofa. Beim Schuhe binden, wenn der Bauch im Weg ist. Deine Gelenke tragen das mit, jahrelang.
Und du wirst älter. Ab einem gewissen Alter baust du Muskulatur ab, wenn du nichts dagegen tust. Wenn du dann immer noch zwanzig Kilo extra drauf hast, und gleichzeitig deutlich weniger Kraft hast, wird das ganze zu einem Problem.
Höhere Sturzgefahr. Weniger Selbstständigkeit. Genau deshalb rede ich so viel über Krafttraining und Gesundheit im Alter.
Also ja, auch das sichtbare Fett zählt. Nur eben indirekt.
Das Fett, das du nicht siehst
Jetzt kommen wir zum eigentlichen Problem.
Viszerales Fett ist richtig stoffwechselaktiv. Und es liegt anatomisch besonders ungünstig. Alles, was es abgibt, landet ziemlich direkt in deiner Leber. Also in dem Organ, das deinen ganzen Stoffwechsel steuert.
Wichtig… ein gewisses Maß davon ist normal und notwendig. Kein Grund zur Panik, wenn du viszerales Fett hast. Das haben wir alle. Das Problem entsteht, wenn es zu viel wird. Dann werden die Fettzellen dort zu groß, die Sauerstoffversorgung kommt nicht mehr nach, einzelne Zellen gehen kaputt. Dein Körper reagiert mit einer Immunreaktion und schickt Immunzellen ins Gewebe. Dauerhaft entsteht daraus eine chronische Entzündung im ganzen Körper.
Die spürst du nicht, sie läuft einfach im Hintergrund mit. Das über Jahre hinweg.
Gleichzeitig beeinflusst es den Hormonhaushalt.
Z.b. Leptin… Leptin ist dein Sättigungshormon, es sagt deinem Gehirn, dass du jetzt satt bist. Bei viel Körperfett ist dauerhaft viel Leptin unterwegs und irgendwann reagiert dein Gehirn schlechter darauf. Das nennt sich Leptinresistenz. Das Signal kommt nicht mehr richtig an… Und wenn dann jemand zu mir sagt „Chris, ich hab einfach ständig Hunger, ich bin nie satt“, kann das durchaus einer der Gründe dafür sein.
Dazu kommt, dass das Viszerale Fett Insulinresistenz fördert. Dein Körper muss immer mehr Insulin ausschütten, um den Blutzucker in den Griff zu bekommen. Und viel Insulin begünstigt wiederum die Einlagerung von Fett.
Merkst du, was da passiert?
Die Teufelsspirale
Mehr viszerales Fett bedeutet Entzündung, Hormonchaos und Insulinresistenz.
Und all das führt dazu, dass du mehr isst und leichter noch mehr Fett einlagerst. Was wiederum zu mehr Entzündung führt.
Und das ganze befeuert sich gegenseitig.
Typ-2-Diabetes. Schlechte Blutfettwerte. Fettleber. Arteriosklerose. Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Alles hängt da mit drin.
Und dann ist da noch das Thema Krebs. Die Internationale Agentur für Krebsforschung sieht für mindestens 13 Krebsarten einen belegten Zusammenhang mit zu viel Körperfett. Neuere Übersichtsarbeiten sprechen von noch mehr. Die Mechanismen dahinter sind genau die, über die wir gerade geredet haben. Sexualhormone, Insulin und chronische Entzündung.
Ich bin kein Mediziner und kein Forscher. Ich will das hier auch nicht bis ins letzte Detail aufdröseln. Aber die Richtung ist eindeutig und sie ist sehr gut belegt.
Und was fast noch wichtiger ist… das alles wirkt auch auf deine Psyche. Auf dein Energielevel. Auf dein Gefühl und deiner Lebensqualität.
Das Timing täuscht
Der schwierigste Teil an der ganzen Sache ist, dass du lange nichts merkst.
Wenn du Mitte dreißig oder Anfang vierzig bist und ein paar Kilo zu viel hast, fühlst du dich wahrscheinlich okay. Vielleicht etwas schlaffer, energieloser oder müder als früher, aber grundsätzlich geht es dir gut.
Das Problem kommt in fünf oder zehn Jahren zum Vorschein.
Um deine Gesundheit kannst du dich vorher kümmern. Danach geht es eher um Schadensbegrenzung.
Frag dich selbst
Ok, ich will dir damit keine Angst machen oder negativ sein. Schau selbst mal hin…
Wie viel bewege ich mich wirklich an einem normalen Tag? Baue ich aktiv Muskeln auf oder halte ich nur, was noch da ist? Wie viel von dem, was ich esse, besteht aus unverarbeitete Lebensmittel und wie viel kommt aus einer Packung? Wann hatte ich das letzte Mal eine Woche ohne Dauerstress? Weiß ich überhaupt, wie es um meinen Körper und Gesundheit steht?
Wenn du bei diesen Fragen ein ungutes Gefühl bekommst, ist es ein gutes Zeichen, dass du gerade anfängst, hinzuschauen.
Und um das ganz klar zu sagen… gesund heißt nicht schlank. Du brauchst kein Sixpack. Ein gewisser Körperfettanteil ist notwendig und gesund. Die Frage ist nicht, wie du aussiehst. Die Frage ist, was du tust.
Die Hebel, die wirklich zählen
1. Krafttraining, zwei bis drei Mal pro Woche. Muskeln sind dein stoffwechselaktives Gegengewicht. Sie verbrauchen Energie, sie verbessern deine Insulinsensitivität und sie sind das Einzige, was dich im Alter selbstständig hält. Deshalb sage ich auch immer, dass Muskelaufbau wichtiger ist als Abnehmen.
2. Bewegung an den anderen Tagen. Hier gehts vor allem um die Regelmäßigkeit. Spazieren, Rad fahren, Treppen statt Lift. Das summiert sich mehr, als die meisten glauben.
3. Protein und Ballaststoffe in jede Mahlzeit. Wenn auf deinem Teller ordentlich Eiweiß liegt und zusätzlich Gemüse, löst sich vieles von alleine. Über Ballaststoffe redet dabei kaum jemand, obwohl sie mindestens genauso wichtig sind.
4. Schlaf und Stress ernst nehmen. Das wird am meisten unterschätzt. Dauerhaft hohes Cortisol lagert Fett bevorzugt im Bauchraum ein, weil die Zellen dort besonders empfindlich darauf reagieren. Du kannst nicht dagegen antrainieren, wenn du permanent im roten Bereich lebst. Schlaf ist hier der größte Hebel.
Nichts davon ist neu und nichts davon ist kompliziert. Aber ich kann dir ehrliche sagen, was ich in acht Jahren gesehen habe… es scheitert genau an diesen Grundlegenden Dingen!
Und woher weißt du, wo du stehst?
Genau deshalb messen wir bei BRIZZLY nicht nur das Gewicht.
Die Waage sagt dir nämlich fast nichts darüber, wie es deinem Körper geht. Sie zeigt dir eine Zahl, aber nicht, woraus diese Zahl besteht.
Bei der InBody Messung sehen wir, wie viel Muskelmasse du hast, wie viel Körperfett und wie es um dein viszerales Fett steht.
Der Wert ist ein Richtwert und keine medizinische Diagnose. Aber er macht etwas sichtbar, worüber sonst niemand mit dir redet. Und er zeigt dir über die Zeit, in welche Richtung es geht.
Die Athletin vom Anfang hätte diesen Wert nie gesehen, wenn wir nicht gemessen hätten. Sie hat sich wohl gefühlt und alles war gut. Heute weiß sie, woran sie wirklich ist.
Wenn du gerade merkst, dass du eigentlich keine Ahnung hast, wo du stehst… dann finden wir es gemeinsam heraus.
Im Beratungsgespräch schauen wir uns deinen Status quo an, was für dich realistisch ist und was der nächste sinnvolle Schritt wäre.


