Wie du deinen Tag beginnst, entscheidet darüber, wie du ihn erlebst
Kennst du diese Morgen, an denen du schon gestresst bist, bevor der Tag überhaupt richtig begonnen hat?
Der Wecker klingelt, du stehst auf und sofort geht es los. Die Kinder müssen fertig werden, das Frühstück muss gemacht werden, während du dir die Zähne putzt, gehst du im Kopf schon die nächsten fünf Aufgaben durch und dann findest auch noch den Schlüssel nicht!
Vielleicht schaust du zwischendurch noch schnell aufs Handy, beantwortest eine Nachricht oder liest eine E-Mail.
Du bist noch keine halbe Stunde wach und fühlst dich trotzdem schon, als würdest du dem Tag hinterherlaufen.
Und der Start am Morgen bestimmt, wie sich der restlichen Tag anfühlt.
Du nimmst es mit zu deinen Kindern, zu deinem Partner, ins Auto, in die Arbeit und später vielleicht sogar ins Training. Kleine Dinge stören dich mehr. Du reagierst schneller gereizt und Aufgaben, die normalerweise kein großes Problem wären, überfordern dich plötzlich.
Dann schieben wir unsere Stimmung auf die äußeren Umstände. Die Arbeit ist gerade zu viel. Der Alltag ist zu voll. Die Verantwortung ist zu groß.
Ich selbst falle auch immer wieder in dieses Muster.
Es ist nicht immer die Arbeit
Die letzten Jahre habe ich sehr bewusst versucht, mein Leben besser zu gestalten. Dabei ging es mir nicht nur darum, dass BRIZZLY gut läuft oder dass ich möglichst viel erledige. Mir ist genauso wichtig, dass es mir mental gut geht, dass ich Energie habe und dass sich mein Leben trotz aller Verantwortung gut anfühlt. Und dabei ist mir immer wieder etwas aufgefallen.
Es gibt Phasen, in denen ich extrem fokussiert bin. Ich kann viel leisten, gut mit Druck umgehen und selbst dann ruhig bleiben, wenn eigentlich viel zu viel auf meiner Liste steht. Ich treffe klare Entscheidungen, habe Energie und bringe Dinge voran. Ich habe unglaublich viel spaß an der Arbeit und am Leben.
Und dann gibt es die anderen Phasen.
Ich fühle mich unausgeglichen. Ich bin gereizter, verliere schneller die Geduld und fühle mich von meiner Arbeit überfordert, obwohl sich eigentlich gar nicht viel verändert hat.
Weil diese Phasen immer wiederkommen, habe ich versucht genauer hinzuschauen.
Ist die Arbeit und Alltag wirklich anspruchsvoller geworden? Gibt es mehr Probleme? Mehr Verantwortung? Mehr Termine? Arbeite ich tatsächlich mehr Stunden?
Meistens waren meine Arbeitsstunden ungefähr gleich. Auch die Herausforderungen waren oft sehr ähnlich.
Was wirklich anders war?
Wie ich meine Tage begonnen habe!
Der Unterschied zeigt sich erst im Rückblick
Das Schwierige daran ist, dass man es nicht sofort bemerkt. Es ist nicht so, dass ich einmal meine Morgenroutine auslasse und direkt einen schlechten Tag habe. Meistens schleicht sich das langsam ein. Ich bleibe noch kurz im Bett liegen, schaue als erstes aufs Handy, beginne sofort zu arbeiten und rede mir ein, dass ich es muss, da ich besonders viel zu tun habe.
Dann wird aus einem Morgen schnell eine ganze Woche.
Irgendwann merke ich, dass ich unausgeglichener bin. Ich frage mich, warum mich plötzlich alles so stresst und weshalb sich selbst einfache Aufgaben so schwer anfühlen.
Heute weiß ich wieso! Ich habe meine Morgenroutine schleifen lassen.
Nicht die Arbeit hat sich verändert. Ich habe mich verändert, weil ich mir am Beginn des Tages keine Zeit mehr gegeben habe, in Ruhe zu starten, meine Gedanken zu sortieren und bewusst eine Intention für den Tag zu setzen.
Deine erste Stunde bestimmt den Tag
Stell dir zwei verschiedene Morgen vor.
Beim ersten Morgen stehst du auf und reagierst sofort auf alles, was von außen kommt. Nachrichten, Termine, Kinder, E-Mails, Probleme und offene Aufgaben.
Bevor du überhaupt einen eigenen Gedanken fassen konntest, bist du bereits im Stressmodus. Fight or Flight!
Beim zweiten Morgen stehst du etwas früher auf und weißt, dass die ersten Minuten des Tages nur dir gehören.
Vielleicht sitzt du einfach ein paar Minuten ruhig da. Vielleicht meditierst du, liest ein Buch oder schreibst dir deine Gedanken auf. Vielleicht gehst du laufen oder bewegst dich ein wenig. Vielleicht überlegst du dir, was heute wirklich wichtig ist und welche eine Sache du erledigen möchtest, damit du mit einem guten Gefühl den Tag beenden kannst.
Glaubst du, dass diese beiden Tage gleich verlaufen?
Klar, die Probleme und Aufgaben verschwinden nicht. Du wirst dich diesen Aufgaben aber anders stellen. Du bist ruhiger und klarer. Du lässt dich nicht so schnell aus der Ruhe bringen und deine Entscheidungen sind überlegter. Selbst wenn du dich nur 5 Prozent besser fühlst, diese 5 Prozent wirken sich auf alles aus. Du hast etwas mehr Geduld mit deinen Kindern. Du hörst deinem Partner besser zu. Du gehst konzentrierter in die Arbeit und kannst besser kommunizieren. Vielleicht fällt dir auch das Training leichter, weil dein Kopf nicht schon völlig überfüllt ist.
Jeden Tag Fünf Prozent machen über Wochen und Monate einen gewaltigen Unterschied.
So sieht meine perfekte Morgenroutine aus
Meine Morgenroutine ist deshalb perfekt, weil sie für mich funktioniert. Für dich wird sie wahrscheinlich anders aussehen.
- Meine Uhr weckt mich zwischen fünf und halb sechs. Ich trinke ein Glas Wasser. Anschließend meditiere ich ungefähr zehn Minuten.
- Danach bewege ich mich für 10 Minuten. Meistens ist es eine Mischung aus Mobility, Dehnen und einem kleinen Yoga-Flow. Ich mache dabei nichts Kompliziertes. Ich schaue einfach, wo es gerade zwickt und kümmere mich ein paar Minuten darum.
- Im nächsten Schritt schreibe ich meine Gedanken auf. Ich schreibe alles auf, was mir gerade durch den Kopf geht.
- Danach gehe ich kalt duschen.
- Zum Abschluss setze ich mich mit einem guten Kaffee hin und lese ungefähr eine halbe Stunde.
Je nach Tag dauert diese Routine zwischen einer Stunde und eineinhalb Stunden. Danach ist zwischen 6 und 6:30 Uhr und der ganze Tag liegt noch vor mir.
Natürlich könnte ich auch länger schlafen. Für mich ist dieser ruhige und bewusste Start aber wertvoller, weil ich anschließend mit deutlich mehr Klarheit und Fokus in den Tag gehe.
Natürlich läuft nicht jeder Morgen perfekt
Es gibt auch bei mir Tage, an denen ich weniger Zeit habe. Dann lasse ich vielleicht die kalte Dusche weg oder mache keinen längeren Mobility-Flow. Manchmal lese ich nur 10 Minuten statt einer halben Stunde.
Ich versuche jedoch, drei Dinge fast immer beizubehalten: meditieren, meine Gedanken aufschreiben und lesen.
Dadurch kann ich meine Routine auf ungefähr 30 Minuten reduzieren. Diese 30 Minuten kann ich mir eigentlich an jedem Tagen nehmen, auch wenn ich früh weg muss oder viel zu tun habe. Und gerade an den Tagen, an denen besonders viel los ist, merke ich, wie wichtig diese Zeit für mich ist.
Aber wichtig ist, dass du meine Morgenroutine nicht einfach kopierst. Bestimmt tut dir etwas ganz anderes gut. Vielleicht gehst du eine Runde spazieren oder laufen. Vielleicht hörst du deinen Lieblingssong bei einer warmen Dusche. Vielleicht meditierst du oder setzt dich einfach für einige Minuten in Ruhe hin.
Ich glaube, es ist gar nicht so wichtig, was du machst. Es geht vielmehr darum, dass du deinen Tag nicht sofort fremdbestimmt beginnst.
Die erste Zeit des Tages sollte dir gehören.
Warum das nicht egoistisch ist
Vielleicht denkst du jetzt, dass du dir diese Zeit nicht nehmen kannst. Du hast das Gefühl, dass es egoistisch wäre, zuerst etwas für dich zu tun, während andere Menschen etwas von dir brauchen.
Ich behaupte, es ist genau das Gegenteil!
Es ist deine Verantwortung, dass es dir gut geht. Niemand kann dir diese Aufgabe abnehmen. Und wenn du ausgeglichener, geduldiger und klarer bist, profitieren auch alle Menschen in deinem Umfeld davon. Deine Kinder profitieren davon, wenn du am Morgen nicht bereits gereizt bist. Dein Partner profitiert davon, wenn du liebevoller und präsenter bist. Deine Kollegen oder Mitarbeiter profitieren davon, wenn du klar kommunizierst und etwas mehr Nerven mitbringst..
Zeit für dich zu nehmen bedeutet, dass du dich selbst in einen Zustand bringst, in dem du auch für andere besser da sein kannst.
Mein größtes No-Go am Morgen
Eine Sache versuche ich am Morgen konsequent zu vermeiden…
Direkt nach dem Aufstehen ans Handy zu gehen! WhatsApp, E-Mails, Instagram, Facebook, Slack oder andere Benachrichtigungen haben für mich in den ersten Stunden des Tages nichts verloren.
Denn du weißt nie, was dich dort erwartet. In dem Moment, in dem du dein Handy öffnest, gibst du anderen Menschen die Macht über deinen ersten Gedanken und deine ersten Gefühle des Tages. Du beginnst deinen Tag nicht bei dir selbst. Du beginnst deinen Tag bei den Erwartungen, Problemen und Bedürfnissen anderer.
Bei mir ist das Handy deshalb automatisch von 21 Uhr Abends bis 8 Uhr Morgens auf „Nicht stören“ gestellt und es liegt auf der Ladestation im Wohnzimmer. Jeder weiß, dass ich am frühen Morgen nicht erreichbar bin. Auch ich habe Verantwortung für ein Unternehmen, für meine Mitarbeiter und für unsere Mitglieder. Trotzdem passiert nichts Dramatisches, nur weil ich eine Nachricht erst um 8 Uhr lese und nicht um 05:30 Uhr.
Das ist kein Problem. Es funktioniert, weil ich es klar kommuniziere.
Fang kleiner an, als du glaubst
Du musst morgen nicht eine Stunde früher aufstehen und meine komplette Routine übernehmen. Das wird bei den meisten Menschen nicht lange funktionieren.
Beginne lieber klein. Wähle eine Sache, von der du glaubst, dass sie dir gut tun könnte. Vielleicht startest du mit 5 Minuten. Ausbauen kannst du es später immer noch.
Sei dir bewusst! Auch wenn es dir guttut, ist es nicht immer leicht. Es ist einfacher, aufzustehen, direkt aufs Handy zu schauen und sich sofort um alles andere zu kümmern. Es ist einfacher, für alle anderen da zu sein, als sich bewusst Zeit für sich selbst zu nehmen.
Aber einfach bedeutet nicht automatisch besser.
Ich merke immer wieder, dass die Phasen, in denen ich mich am stärksten, ruhigsten und fokussiertesten fühle, eigentlich immer die Phasen sind, in denen ich mir diese Zeit am Morgen konsequent nehme.
Vermutlich verändert eine Morgenroutine nicht sofort dein ganzes Leben. Unterschätze aber nicht den Einfluss, den sie auf deinen Tag haben kann!
Wie du deinen Tag beginnst, entscheidet sehr oft darüber, wie du ihn erlebst.



