Rückenschmerzen treffen jeden. Auch mich.
Ich habe mein eigenes Gym. Ich verdiene mein Lebensunterhalt damit, Menschen stark und gesund zu machen. Und ich hatte einen Bandscheibenvorfall!
Der erste Gedanke war… mein Leben ist vorbei. Der zweite, das darf mir als Fitness Coach doch nicht passieren. Selbstzweifel inklusive.
In der Theorie kenne ich mich gut aus. Ich erkläre es Menschen jede Woche. Genützt hat mir das schlussendlich nicht, weil ich die Ursache bei mir selbst nicht gesehen habe.
Mit dem genauen Blick einer meiner Coaches wurde mir die Ursache schnell bewusst. Ohne sie hätte ich vermutlich dasselbe gemacht wie die meisten. Die erste Intention war natürlich zu schonen und abzuwarten… und ein Jahr später wäre ich wieder am selben Punkt gestanden.
Denn der Schmerz war nicht das ursprüngliche Problem.Der Schmerz war das Ergebnis.
Und weil ich weiß, wie sich das anfühlt, erzähle ich dir heute von jemand anderem.
Sie sitzt vor mir und sagt, es wird immer schlimmer
Anfang vierzig. Ein Kind, damals per Kaiserschnitt. Seitdem war der Bauch nie mehr richtig stabil. Heute arbeitet sie im Büro, acht Stunden am Computer.
Und der Rücken zwickt Phasenweise. Ein paar Wochen geht es, dann kommt eine Zeit, in der jeder Morgen eine Überwindung ist. Steif aufwachen, ein paar Minuten brauchen, bis die Bewegung halbwegs normal wird. Und das Ganze zieht sich schon seit Jahren.
Sie sagt mir: Ich hab das Gefühl, es wird immer schlimmer.
Ich frag sie, seit wann genau. Wie es sich anfühlt. Wann es besser ist und wann schlechter. Ich mache in dem Gespräch keine Untersuchung. Ich höre einfach zu, weil ich nach den ersten Minuten meistens ganz gut einschätzen kann, ob wir helfen können oder ob es zuerst medizinisch abgeklärt gehört.
Bei ihr war klar: Wir können helfen!
Was ich sehe, sobald sie sich bewegt
Das eigentlich Spannende passiert dann im Training. Sie bewegt sich unsicher. Koordinativ ein bisschen eingerostet, was nach Jahren am Schreibtisch völlig normal ist. Der Rumpf ist schwach. Und dann das, was ich bei ihr und bei sehr vielen anderen sehe:
Ihre hintere Kette ist kaum aktiv.
Das klingt erst mal unspektakulär, ist aber der Kern der Sache. Gluteus, hintere Oberschenkel und Rückenstrecker gehören zusammen und sollten bei jeder Bewegung mitarbeiten. Tun sie das nicht, übernimmt jemand anderer ihre Arbeit. Und dieser jemand ist ihr unterer Rücken!
Bei jedem Bücken. Bei jedem Aufstehen. Bei jedem Aufheben. Jahrelang. Ihr Rücken hat also nicht plötzlich angefangen, weh zu tun. Er macht seit Jahren einen Job, für den er nie gedacht war.
Warum es phasenweise besser wird und dann wieder schlechter
Das mit den Phasen hat sie besonders beschäftigt. Mal ist es weg, mal ist es da, ohne erkennbaren Grund.
Wenn ein Bereich dauernd zu viel arbeitet und dann noch eine kleine Fehlbewegung dazukommt, denkt sich dein Körper… Bevor hier was kaputtgeht, spanne ich mal alles fest an. Eine Schutzspannung, fast krampfartig.
Das ist die schlechte Phase. Nach ein paar Tagen oder Wochen lässt die Spannung nach, es geht wieder. Bis zum nächsten Mal.
Doch die Ursache war dazwischen nie weg. Das ganze hat sich nur wieder etwas entspannt.
Genau deshalb funktioniert die Massage auch nur zwei Tage. Die Verhärtung, die du spürst, ist nicht das Problem, sie ist einfach ein Symptom deiner Rückenschmerzen.
Und genau da wird es tricky
Was macht man normalerweise, wenn eine schlechte Phase kommt?
Man schont sich. Weniger bewegen, aufpassen, abwarten. Das ist völlig verständlich, und der Arzt rät oft genau dazu, weil der akute Schmerz erst mal weg muss.
Nur schau dir an, was das bei ihr bedeutet. Ihr Rumpf ist schwach. Wenn sie sich schont, wird er schwächer. Ihre hintere Kette ist kaum aktiv. Wenn sie sich schont, arbeitet sie noch weniger. Sie sitzt sowieso schon acht Stunden. Wenn sie sich schont, sitzt sie noch mehr. Schonen nimmt ihr kurzfristig den Schmerz und baut ihr langfristig genau das aus, was ihn verursacht.
Unser Körper ist nicht dafür gemacht, zu liegen und zu warten. Wir haben früher Steine gehoben, Seile gezogen, sind gerannt und geklettert. Genau das braucht er, um zu funktionieren.
Belastung macht deinen Rücken nicht kaputt.
Der Denkfehler mit den 5 Kilo
Als wir mit dem Training angefangen haben, wollte sie kaum Gewicht anfassen. Verständlicherweise. Der Gedanke, mit einem schmerzenden Rücken etwas zu heben, fühlt sich falsch an.
Nur überleg mal, was eine Einkaufstasche wiegt. Mehr als 5 Kilo. Vielleicht 10 oder sogar 15. Ihr Kind hebt sie täglich aus dem Autositz. Mit dem Wäschekorb geht es die Treppe hoch. Da kann sie auch nicht die 5-Kilo-Regel einhalten. Im Training wollte sie also gar nichts heben, im Alltag hebt sie täglich das Doppelte. Da passt etwas nicht zusammen.
Sinnvoller ist der umgekehrte Weg. In einem kontrollierten Umfeld, mit sauberer Technik und unter Aufsicht, bewegst du etwas mehr. Dann ist das, was im Alltag kommt, für deinen Körper keine große Sache mehr.
Du wirst also belastbarer. Du und dein Körper.
Wie so ein Anfang wirklich ausschaut
Ganz anders, als die meisten befürchten.
Wir arbeiten zuerst an der Rumpfstabilität, also an der Muskulatur, die deine Wirbelsäule hält. Am queren Bauchmuskel, an der Hüftstabilität. Wir bringen die hintere Kette zurück ins Spiel, mit Übungen wie Good Mornings, Bird Dogs, Squats, Deadlifts, Clamshells und so weiter. Und wir achten penibel darauf, dass die Bewegung passt.
Bei akuten Beschwerden gehen wir noch vorsichtiger ran. Kleine, konzentrierte Übungen, ausschließlich in dem Bereich, in dem keine Schmerzen da sind.
Und ehrlich gesagt ist es nicht bei jedem Krafttraining der Fokus. Wenn jemand komplett immobil ist und alles verkürzt, braucht er zuerst etwas anderes. In dem Fall mehr Beweglichkeit. Bewegung und Training brauchst du auf jeden Fall. Und welche Form und in welcher Kombination, das finden wir gemeinsam raus.
Was daraus geworden ist
Das Erste, was sich bei ihr verändert hat, war nicht der Schmerz. Es war die Bewegung. Sie ist sicherer geworden, die Abläufe haben funktioniert. Und dann kam der Moment, der bei fast allen den Unterschied macht. Sie hat gemerkt, dass die Schmerzen durch das Training nicht schlimmer werden. Sondern in den meisten Fällen sogar direkt besser. Sie fasst Vertrauen.
Von da an bauen wir nach und nach aus. Von den kleinen, konzentrierten Bewegungen hin zu funktionellen. Und je weniger das Problem wird, desto mehr Dynamik kommt dazu.
Nach ein paar Monaten sind die Schmerzen deutlich weniger. Sie bewegt sich besser, sie hat wieder Vertrauen in ihren Körper. Und ganz nebenbei formt sich ihr Körper auch noch.
Das Schönste daran sieht man ihr im Gesicht an. Diese Erleichterung, wenn der Rücken nicht mehr jeden Tag weh tut. Wer schon mal länger Rückenschmerzen hatte, weiß, wie sehr das im Alltag einschränkt und was für eine Belastung es ist. Und wie befreiend es sich anfühlt, wenn das wegfällt.
Sie ist damit kein Einzelfall. Wenn ich mich nach drei Monaten mit Leuten zusammensetze und wir über ihre Fortschritte reden, ist einer der meistgenannten Punkte: Die Rückenschmerzen sind weniger geworden. Viele davon sind gar nicht deswegen zu uns gekommen.
Es geht nicht geradlinig nach oben
Eine Woche geht es deutlich besser, dann kommt eine, in der es wieder zwickt. Das ist normal und kein Rückschritt. Auf lange Sicht geht es nach oben, nur eben nicht in einer geraden Linie.
Und wenn ein erster Versuch nichts gebracht hat, heißt das nicht, dass es bei dir nicht geht. Es heißt nur, dass noch nicht die richtige Ursache erwischt wurde.
Bei mir ist es bis heute so. Seit ich das Team leite statt in der Box zu coachen, sitze ich deutlich mehr am Computer. Und das merkt mein Rücken sofort. Also baue ich mir Bewegung bewusst ein. Nicht nur Training, sondern auch Spazierengehen und Yoga.
Rückblickend hat mich der Bandscheibenvorfall zu einem besseren Coach gemacht. Und er hat mir gezeigt, dass die Welt nicht untergeht, wenn es einen erwischt.
Dein nächster Schritt
Heute: Komm in Bewegung. Egal wie. Ein kleiner Dehnflow daheim, ein paar leichte Yoga-Übungen, die dir guttun, oder einfach aufstehen und spazieren gehen. Nichts, was in den Schmerz hineinarbeitet. Nur Bewegung.
Wenn es akut ist und ins Bein ausstrahlt und du das noch nie abklären hast lassen, ist eine Abklärung sicher sinnvoll. Du kannst aber genauso zu uns kommen. Wir schauen uns das an und können ganz gut einschätzen, ob es weitere Abklärung braucht oder ob wir direkt mit dem Training starten können.
Wenn es dich schon seit Jahren begleitet und du daheim liegst und wartest, dass es besser wird: Hol dir einen Coach dazu. Genau das war bei mir der Unterschied. Komm zu uns, buch dir ein Beratungsgespräch und wir gehen das gemeinsam an. Du musst dort nichts vorzeigen und nichts können. Wir reden. Du erzählst mir, wie es dir geht und was du schon probiert hast und dann finden wir gemeinsam heraus, was für dich der richtige Weg ist.
Ein Leben mit Rückenschmerzen macht keinen Spaß. Wir helfen dir, das wieder lebenswert zu machen.
Dein Rücken braucht keine Pause, er braucht einen Grund, stärker zu werden.




